Ostseestrände versinken im Matsch

Gepostet am 29 July, 2019

Christin Sachweh

Redaktion

Die Bewohner auf Fehmarn haben ein Problem. Ihnen droht ab 2020 eine riesige Baustelle direkt an der Küste. Denn hier soll der 14 km lange Tunnel nach Dänemark gebaut werden. Weil sie befürchten, dass das Milliarden-Projekt die Umwelt und den Tourismus an der Ostsee kaputt macht, hat die Initiative Beltretter in Leipzig, Kiel und auf Fehmarn ein kleines Schauspiel inszeniert. Matschbeschmierte Menschen stellen Szenen eines ganz normalen Strandlebens dar. Aber die Tunnelgegner haben wie die meisten Bürgerinitiativen deutschlandweit das Problem: Kaum einer weiß von ihrem Problem. In diesem Fall von dem Bau und seinen Auswirkungen. Nach einer aktuellen Umfrage sind rund 70 Prozent der Deutschen ahnungslos. So wissen die meisten Passanten in Leipzig auch nichts mit den matschbeschmierten Strandurlaubern vor dem Bundesverwaltungsgericht anzufangen. Deswegen: Hierum geht’s. Zwischen der Insel Fehmarn und Dänemark soll ein rund 18 Kilometer langer Tunnel gebaut werden. Auf über 14 Milliarden Euro werden die Kosten für das Projekt mittlerweile geschätzt – eine Größenordnung wie Stuttgart 21. Es soll nach den Wünschen der Regierungen beider Länder die Wirtschaft näher zusammenrücken lassen. Die Menschen vor Ort machen sich aber große Sorgen. Sie befürchten, dass nicht nur der Badespaß bald vorbei ist. Denn die Tunnelelemente werden auf den auf Meeresboden gelegt und der dadurch mächtig aufgewühlt. Wichtige Dorsch-Laichgebiete würden zerstört werden. Und die gesamte Lübecker Bucht zur trüben Brühe. So die Angst der Insulaner. Karin Neumann von der Bürgerinitiative Beltretter kämpft schon seit Jahren gegen den Tunnel. „Der Meeresgrund wäre durch die massiven Baggerarbeiten stark betroffen. Und das in einem sehr sensiblen Bereich der Ostsee“, sagt sie. „Der Fehmarnbelt ist die Frischwasser- und Sauerstoffzufuhr für die gesamte Ostsee. Es gibt in der Ostsee schon viele tote Stellen, wo der Sauerstoff schon nicht mehr ausreicht. Wir brauchen einen ungestörten Fehmarnbelt, um mit den Stürmen und Strömungen die Ostsee weiterhin mit Nährstoffen versorgen zu können.“ Doch bevor 2020 die Bauarbeiten starten können, müssen noch in Leipzig vor dem Bundesverwaltungsgericht zehn Klagen gegen den Bau verhandelt werden. Und bis das geschehen ist, wollen die Insulaner weiterkämpfen – dafür, dass Alternativen zum Tunnel geprüft werden. Schließlich soll die Ostsee ja nicht im Matsch versinken.

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